Kleintierzentrum Nordheide

Aktuelle Informationen

I. Wann ist ein Igel pflegebedürftig?

Grundsätzlich sind Igel nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützte Tiere, die nicht ohne weiteres aufgenommen werden dürfen. Lediglich kranke, verletzte oder sehr junge Tiere, die in der Natur nicht überleben können, dürfen aufgenommen werden. Gemeinhin werden die sogenannten "Herbstigel" als pflegebedürftig angesehen. Es handelt sich dabei um Jungtiere, die zu spät geboren worden sind oder deren Mutter zu Tode gekommen ist. Nicht in jedem Fall sollten solche Igel zur Pflege ins Haus aufgenommen werden.
Sie gelten als pflegebedürftig, wenn sie

- Anfang Oktober weniger als 200 g wiegen
- An Mitte November deutlich weniger als 500 g wiegen
- geschwächt und krank erscheinen oder verletzt sind

Die Entscheidung, solche Tiere in die Obhut zu nehmen, ist in Abhängigkeit von der Witterung zu treffen. Bei milder Witterung und dementsprechend gutem Nahrungsangebot sollte man eher abwarten, wenn einzig das Gewicht des Tieres noch nicht ausreichend ist. Jeder Igel der aufgenommen wird, sollte zunächst tierärztlich untersucht werden.



II. Wie sollten pflegebedürftige Igel gehalten werden?

- Unterbringung in einem Raum mit 18-20°C Raumtemperatur; Tageslichteinfall
- Gehege mit ca. 2qm Seitenwänden ca. 50cm (senkrecht und glatt für jeden einzelnen Igel) (Einzelgänger)
- Schlafhaus (z.B. Schuhkarton) mit isoliertem Boden und viel zerknülltem Papier ausgelegt
- Auslauf mit Papier ausgelegt (da die Igel i.d.R. einen festen Kotplatz haben, kann man diesen problemlos sauber halten)



III. Wie müssen Igel gefüttert werden?

- Dosenfutter für Katzen (Sorte Geflügel oder Fisch ohne Soße) gemischt mit Igeltrockenfutter
- Milder Schnittkäse/ junger Gouda, Edamer
- Magerquark
- 2x wöchentlich Eier, gekocht oder als Rührei, (immer zerkleinert)
- Gelegentlich: Rosinen, geschälte Nüsse, obst (Banane)
- Fisch, roh oder gekocht
- Kleingeschnittenes, nicht zu fettes Fleisch von Rind oder Schwein roh oder gekocht z.B. Beefhack
- Gekochte Hühnerflügel (beugt Zahnsteinbildung vor!)
- Weizenkleie, Futterhaferflocken (als Ballaststoffe)
- Täglich 1 Messerspitze vitaminisiertes Mineralpulver (z.B. Vitakalk) und 1 Tropfen Vitamin B

Zusätzlich sollten zur Fütterung einige Tropfen bis einen viertel Teelöffel Pflanzenöl gegeben werden. Dies beugt einem Stachelausfall vor. Wachsende Igel erhalten zusätzlich Mineral- und Vitaminzusätze.
Der Flüssigkeitsbedarf wird durch Wasser oder Fencheltee gedeckt.
Kuhmilch führt zu schweren Durchfällen.

Sehr kleine Tiere brauchen spezielles Aufzucht-Futter und müssen alle 3-4 Stunden gefüttert werden!
Bis 100g Körpergewicht::
Schlagsahne
+ Fencheltee zu gleichen Teilen
+ 1 Prise Schlämmkreide
+ 1 Prise Welpi-sal

Ab 100g Körpergewicht: Flüssiger Kinderbrei mit Banane oder Hackfleisch

Ab 150g Körpergewicht: selbständige Nahrungsaufnahme
Wie bringe ich den Igel zum Winterschlaf?

Liegt das Gewicht von Jungtieren bei 600-700 g und bei Erwachsenen Tieren bei 800-1000 g und ist ein Aussetzen aufgrund der Jahreszeit jetzt nicht mehr möglich, so sollte man den Pflegling zum Schlafen bringen. Dies erreicht man durch folgende Maßnahmen
- Unterbringung bei Außentemperaturen (Balkon, Schuppen, Terrasse)
- In einer zweigeteilten Holzkiste (ca. 40cm Kantenlänge) wird der größere Schlafbereich mit reichlich Nestbaumaterial (Heu, Moos, Laub, Papier) ausgefüllt. Die kleinere Hälfte dient als Futterplatz. Wichtig ist eine gute Bodenisolierung.
- Fütterung: länger haltbares Futter (Käse, Rosinen, Nüsse, Hunde-/Katzentrockenfutter)
- Trinkwasser (regelmäßig wechseln!)



IV. Wann müssen Igel wieder ausgesetzt werden?

Der durch den Winterschlaf entstandene Gewichtsverlust sollte vorerst wieder durch Zufütterung ausgeglichen werden. Je nach Witterungsverhältnissen wird der Igel dann im April bis spätestens Mitte Mai wieder ausgesetzt. Dies gilt auch für Igel, die nicht im Winterschlaf gehalten worden sind. Das Gelände, in dem der Pflegling ausgesetzt wird, sollte keine Gefahrenquellen enthalten (Baustellen, Hauptverkehrsstraßen, Swimmingpool, jagdlustige Hunde, etc.) Grundsätzlich gilt aber, das Tier am Fundort wieder auszusetzen, da es ein gutes Ortsgedächtnis hat. Eventuell kann man den Igel noch einige Tage zufüttern.

 

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung!

Ihr Praxis-Team